Die Kindheit im Buch

Schlagwörter

, ,

Bevor Du kamst, war auch ich einsam. Auf eine andere Art als Du, denn ich kannte eine Menge Leute, gehörte dazu. Wir teilten eine Art Lebensgefühl, aber verstanden und in meiner ganzen Persönlichkeit wahrgenommen fühlte ich mich von keinem von ihnen.

Ich las damals am liebsten Christine Nöstlinger. Alles, was ich von ihr in die Finger bekam. Denn in Nöstlingers Büchern gab es eine Menge Kinder und Jugendliche, denen es irgendwie so ging wie mir. Von ihnen fühlte ich mich verstanden, obwohl sie nicht real waren, kommunizierten sie auf eine mysteriöse Weise mit mir. Wir hatten dieselbe Weltsicht, teilten dieselben Gedanken, hatten dieselben Ängste, Sorgen und Probleme. Meine besten Freundinnen wurden Gretchen Sackmeier und Susi, die Tagebuchschreiberin (dank Susi habe ich damals begonnen, selbst ein Tagebuch zu führen und tue es noch heute).

Gretchen und Susi, Anatol und Ilse, Konrad, das Kind aus der Konservenbüchse und die feuerrote Friederike, Olfi Obermeier und Hugo, das Kind in den besten Jahren, und all die anderen von Nöstlingers wunderbaren Figuren: Sie leben in keiner heilen Welt, sie sind Scheidungskinder, Schlüsselkinder, Ausreißer, Außenseiter, haben Probleme in der Schule, mit ihren Eltern, und viele sind Einzelkinder, so wie ich. Doch ich konnte mich nicht nur mit ihnen identifizieren, sondern auch viel von ihnen lernen. Denn sie sind auch kleine Heldinnen und Helden des Alltags, lassen sich nicht unterkriegen, haben eine große Klappe und auf alles eine passende Antwort – und zwar im schönsten Wienerisch. Sie sind aufrichtig und mutig, besitzen Humor und Selbstironie und sind dazu noch meist vernünftiger als die Erwachsenen um sie herum. Immer ziehen sie sich irgendwie am eigenen Schopf aus dem Schlamassel. Sie haben alle etwas Anarchistisches an sich – sind direkte Nachkommen von Pippi Langstrumpf und Ronja Räubertochter. Deswegen ist es für mich nur logisch, dass Christine Nöstlinger gleich den Astrid-Lindgren-Memorial-Award bekommen hat, als dieser nach dem Tod der großen schwedischen Erzählerin zum ersten Mal vergeben wurde.

Im vergangenen Jahr hat Christine Nöstlinger ihre Erinnerungen veröffentlicht: Glück ist was für Augenblicke (St. Pölten: Residenz Verlag, 2013), und die habe ich mit einem ebensolchen Genuss gelesen wie ihre Kinder- und Jugendbücher. Nöstlinger musste sich auch von klein auf behaupten. Sie ist in ziemlich beengten Verhältnissen aufgewachsen, hat als Kind den Krieg erlebt, und die Erwachsenen um sie herum scheinen allesamt recht narzisstische Persönlichkeiten gewesen zu sein und mehr auf ihre eigenen Bedürfnisse geachtet zu haben als auf die ihrer Kinder. Eine typische Arbeiterfamilie, der Vater war selbst der KPÖ zu links, weswegen ihn die Partei Anfang der Dreißigerjahre ausgeschlossen hatte. Diese Sozialisation prägte Nöstlingers Bücher und ihre Figuren. In ihren Erinnerungen schreibt sie:

Sichtlich fanden viele Lehrer, dass in meine Geschichte von der „Feuerroten Friederike“ zu viel linke Ideologie reingestrickt ist. Mein Hirn konnte eben nur links stricken, rechte Maschen schaffte es nicht.

(Christine Nöstlinger: Glück ist was für Augenblicke. Erinnerungen. St. Pölten: Residenz Verlag, 2013, S. 166.)

Auch ich habe aus meiner Familie eine gute Portion politisches Bewusstsein mitbekommen, doch kam mir bei der Lektüre von Nöstlingers Memoiren plötzlich der Gedanke, dass ihre Bücher vielleicht noch mehr für meine Haltung verantwortlich sein könnten als meine Eltern. Mir ist wieder eingefallen, dass ich solche Namen wie Jimi Hendrix und Siegmund Freud zum ersten Mal bei Nöstlinger gelesen habe. Dass Konfrontation mit den Widrigkeiten des Lebens in ihren Büchern immer zu einem guten Ausgang, zu einer Auflösung von Konflikten führen. Ich habe mich oft gefragt, warum Antirassismus, Antifaschismus und Feminismus für mich eigentlich immer selbstverständlich waren. Und wie meine Werte – allen voran Loyalität und Aufrichtigkeit – zustande gekommen sind. Vielleicht, weil mir Nöstlingers Figuren all das vorgelebt haben. Sie haben meine Persönlichkeit zu einem guten Maß geformt, und sie haben mir in meiner kindlichen Einsamkeit Gesellschaft geleistet, mich getröstet und mir gezeigt, wie man seine Meinung kundtut, Position bezieht, Konflikte bewältigt und sich nicht unterkriegen lässt.

Das ist es, wozu die Literatur fähig ist: Sie kann einen retten. Und vielleicht ist sie deswegen bis heute ein so wichtiger Bestandteil meines Lebens geblieben, weil ich bereits als Kind das Glück gehabt habe, dies zu erfahren.

Endlich eine Freundin

Schlagwörter

, , , ,

Nun sind schon wieder Monate seit der Wahl vergangen und demnächst haben wir wohl auch wieder eine Regierung. Und bis auf eine anstehende Bürgermeisterwahl hier ist man auch wie erahnt in den Zustand der Beobachtung zurückgekehrt, zugebenermaßen mal mit mehr, und mal eher mit weniger Beobachtung.

Das Leben lenkt einen natürlich auch ab. Manchmal denke ich ein wenig zurück an die Zeit, bevor wir uns beide gut kannten. Damals hatte ich mir nie vorgestellt, dass sich das Leben als so unnachgiebig erweisen würde. Ich dachte immer, irgendwann hat man die gröbsten Ziele erreicht und dann wird es einfacher. Und dann wird mir klar, dass ich dem Leben gegenüber aber auch schrecklich unnachgiebig bin.

Jedenfalls hat mich die Lektüre von The Perks of Being a Wallflower sehr an die Zeit denken lassen, bevor wir uns gut kannten. Der Roman spielt zu Beginn der 90er und der Protagonist ist genauso alt, wie wir damals waren.

Der Protagonist sagt ganz zu Anfang des Buches:

I want you to know that I am both happy and sad and I’m still trying to figure out how that could be.

(Stephen Chbosky. The Perks of Being a Wallflower.  New York: Gallery Books, 1999. Kindle Edition. S. 2)

Das erinnert mich sehr an mich selbst in unserer niederbayerischen Kleinstadt und dem ewigen Vertuschen von allem was unangenehm ist, die vorgegebenen Lebensentwürfe und die unglücklichen Menschen darunter, die Messung von Erfolg in Abteilungsleitertiteln und dem passenden Auto. Und ich dort, mit den Unruhen kämpfend, die die Scheidung meiner Eltern ausgelöst hatten; in der unangenehmen Pubertät, die nicht dadurch erleichtert wurde, dass ich größer als die meisten Jungs war; und ich dort mit meinen Gedanken und den Gefühlen, die kaum einen Ort fanden, weil kompliziert sein etwas Unangenehmes ist.

Und dann fällt mir meine Einsamkeit ein als junges Mädchen, in der Anfangszeit des Gymnasiums. Ich hatte lange nicht mehr daran gedacht, denn heute bin ich von so vielen wunderbaren Freunden umgeben, meiner Chosen Family, und auch über sonstige mangelnde Integration kann ich mich nicht beschweren. Aber das Buch hat mich so unheimlich berührt mit dieser Sehnsucht nach einem Freund:

It would be very nice to have a friend again. I would like that even more than a date.

Ibid. S.21.

Da ist es mir wieder eingefallen, dass damals, Anfang der 90er mein Lieblingsbuch Endlich eine Freundin von Mary Bard war. Zigmal hatte ich mir das Buch aus der Bücherei ausgeliehen, irgendwann habe ich es auf einem Flohmarkt erstanden. Und ich weiß noch, warum ich es so geliebt habe: der Gedanke, die eine Freundin, die eine Seelenverwandte zu finden – das wollte ich auch vielmehr als ein Date. Und dann kamst Du.

Kay

Überleben mit Berlusconi und Deutschland dritter Klasse

Schlagwörter

, , , , , ,

Jetzt ist nicht nur die Bayernwahl vorbei sondern auch die Bundestagswahl, und das Ergebnis bringt mich dazu, an Deine Analyse anzuknüpfen. Wobei ich vorausschicken muss, dass ich mich bezüglich Bayern ohnehin schon fast schon damit abgefunden habe, dass ich einen Regierungswechsel in unserem Freistaat wahrscheinlich nicht mehr erleben werde.

Ich glaube immer mehr, dass der anhaltende Erfolg der CSU auf ein ähnliches Phänomen zurückzuführen ist, wie die Tatsache, dass so viele Italiener immer wieder Berlusconi gewählt haben: Je verschlagener die Politiker agieren (z.B. was die Anstellung und sehr großzügige Bezahlung von Familienmitgliedern betrifft), je absurder und größenwahnsinniger ihre Forderungen sind (z.B. Pkw-Maut nur für Ausländer unter Missachtung des geltenden EU-Rechts), desto mehr Hochachtung wird ihnen entgegengebracht, frei nach dem Motto: „Hund sans scho.“ Die Schlitzohrigkeit ist in Bayern schließlich ein sehr positiv besetztes Persönlichkeitsmerkmal. Sie hat etwas Rebellisches, etwas Anarchistisches, und viele sehen dies paradoxerweise vor allem in der CSU repräsentiert. Das bestätigte auch Carl Amery, indem er sagte, die Bayern seien lauter Anarchisten, die CSU wählen.

Der italienische Journalist Beppo Severgnini stellt in seinem Buch Überleben mit Berlusconi (München: Blessing, 2011) die These auf, der Hauptgrund für Berlusconis Erfolg sei, dass viele Italiener ihn aufgrund seiner Schwächen, seiner Leidenschaft für junge Frauen, seiner Entgleisungen und seiner offensichtlichen Aversion gegen technische Neuerungen (er sagt z.B. immer noch „Gogol“ statt „Google“) als einen von ihnen erkennen, der nicht vorgibt, etwas Besseres zu sein.

Es wäre interessant, abzugleichen, wie viele Faktoren, die Berlusconi immer wieder das Vertrauen so vieler Italiener eingebracht haben, auch für Herrn Seehofer und seine Blosn geltend gemacht werden könnten. Zudem ist Bayern ja bekanntermaßen der nördlichste Teil Italiens. Also möglicherweise alles nur eine Mentalitätsfrage.

Auf die gesamte Bundesrepublik lässt sich diese These wahrscheinlich nicht anwenden. Dass ein weiteres Mal die CDU die Mehrheit bekommen hat und damit der Status Quo bestätigt wurde, erinnert mich an ein urgermanisches Phänomen: Eine Art Nibelungentreue – bevor wir Neues wagen, machen lieber so weiter wie bisher, denn es könnte ja noch schlimmer kommen, und reiten so erst recht mit wehenden Fahnen in den Untergang. Auch ein Paradox. Doch die Süddeutsche Zeitung gibt dem unterschwellig auch noch recht, indem sie drei Tage nach der Bundestagswahl titelte: „Deutsche so reich wie noch nie.“

Wenn man das Buch von Julia Friedrich, Eva Müller und Boris Baumholt, Deutschland dritter Klasse. Leben in der Unterschicht, liest, wird einem schnell klar, dass das jedoch keineswegs für alle Deutschen gilt. Die drei jungen Journalisten haben etwa zwei Jahre lang Menschen begleitet, die langzeitarbeitslos sind, haben Ein-Euro-Jobber, Leute im Billiglohnsektor und Leiharbeiter interviewt, waren in Förderschulen unterwegs und haben den Alltag auf den Arbeitsagenturen miterlebt und so die soziale Ungerechtigkeit entlarvt, die ausgerechnet die von der SPD verabschiedete Agenda 2010 mit sich gebracht hat.

So habe ich zum Beispiel erfahren, dass Angestellte von Caterern, die alten Menschen das Essen vorbeibringen, nicht nach Stunden bezahlt werden, sondern pro ausgeliefertes Essen und damit auf einen Stundenlohn von nicht einmal 3 Euro kommen, selbst, wenn sie sich bei keinem Kunden länger als 5 Minuten aufhalten. Was mich aber am allermeisten schockiert hat – obwohl ich es sehr gut nachvollziehen kann – ist, und damit wären wir wieder bei der Wahl, dass sich viele Langzeitarbeitslose nicht mehr als Teil der Gesellschaft betrachten, deren politisches System sie mitbestimmen können:

‚Die sind doch alle gleich bescheuert da‘, schimpft René. ‚Die ganze Regierung, die kann ich ja wirklich schon über einen Kamm scheren. Da passiert bei jedem, egal wer Kanzler oder Kanzlerin ist, da passiert doch immer wieder das Gleiche.‘ Es gibt wohl wenige Themen, bei denen er sich mit seiner Frau so einig ist. Jessica nickt eifrig. ‚ {…} Es wird versprochen, versprochen, versprochen, und es passiert gar nichts, es ist überhaupt nichts. {…} Ich war noch nie wählen. Ich weiß gar nicht, wen ich wählen soll. Ne, ich war noch nie wählen.‘

(Julia Friedrich, Eva Müller, Boris Baumholt. Deutschland dritter Klasse. Leben in der Unterschicht. München: Heyne, 2010, S. 152f.)

In diesem Jahr lag die Wahlbeteiligung bei 73%. Und die Aussage von René und Jessica Weber, beide Anfang zwanzig, in diesem Buch verleitet zu der These, dass ein Großteil der Nichtwähler diejenigen sind, die am äußersten Rand der Gesellschaft leben müssen. Ihre Forderungen hätten mit dem Wahlprogramm der CDU sicher wenig gemein. Würden sie nach Inhalten wählen, hätten sie mit der Linken die meisten Überschneidungen (Hartz-Gesetze abschaffen). Da sie aber gar nicht wählen, sichern sie sozusagen trotzdem den Status Quo und halten die Linke auf 8%. Ein positiver Nebeneffekt für die CDU also (und in dem Fall auch für die SPD).

Übrigens habe ich auch von vielen Leuten, die einen Wahl-O-Mat befragt haben, gehört, dass dieser ihnen angezeigt habe, sie seien Wähler der Linken. Die meisten reagierten darauf verblüfft bis schockiert und sagten sofort, die Linke würden sie aber keinesfalls wählen. Als ich sie fragte, warum, bekam ich nie eine sachliche Antwort. Häufig hörte ich: „Das kann man doch nicht machen.“ Ich bin fassungslos darüber, dass die Leute ihre Vorurteile der Linken gegenüber – die von den Medien gehegt und gepflegt werden und im selben Vokabular daherkommen wie das Staatssozialismus-Bashing während des Kalten Krieges – nicht überwinden können, selbst, wenn sie schwarz auf weiß vor Augen geführt bekommen, dass dies die Partei ist, mit der sie in den meisten Punkten übereinstimmen.

Doch bestätigt auch dies die Vermutung, dass Wählen etwas Emotionales ist. Und damit wären wir wieder bei Berlusconi, Seehofer und den bayerischen Anarchisten.

 

Kat

 

 

 

 

 

Alles nicht so schlimm

Schlagwörter

, , , , , , , , ,

A cigarette. I think there might  be one left in a crumpled pack in the bottom of my bag. I know there is, in fact, because I pretend to myself that I forgot about it but secretly know it exists.

(Lauren Graham, Someday, Someday, Maybe. New York: Ballatine Books, 2013. Kindle Editition. Pos. 561)

Nach den schönen Sommermonaten geht es mir recht wie der Protagonistin Franny in Gilmore Girl Lauren Grahams sehr amüsanten Buch – nur, dass ich natürlich nicht eine Zigarettenschachtel in den Untiefen meiner Handtasche habe, sondern viele Aufgaben und Abenteuer die in den Untiefen meines Kopfes verborgen liegen. Aber natürlich weiß ich, dass sie da sind. Manche Aufgaben werden weiter vergessen, manche Abenteuer warten weiter als phantastische Möglichkeit darauf angegangen zu werden, aber unser Literaturblog soll doch zum Herbst wieder hervorgeholt werden.

Und was für ein Herbst, man kann es kaum mehr aushalten vor Wahlpropaganda. Es ist erstaunlich, da wird man die meiste Zeit dazu motiviert alles zu verdrängen, natürlich auch in dem Wissen, dass es eigentlich da ist, aber was hilft es schon, wie Birgit Vanderbekes Ich-Erzählerin auch so schön feststellt:

In der Welt tobte das blanke Desaster, und keiner hatte eine Ahnung, wie man es stoppen könnte, deshalb taten alle, als wäre es einfach nicht da.

(Birgit Vanderbeke, Das lässt sich ändern. München: Piper, 2011. Kindle Edition. S.16)

Und so werkeln die Leute wie die Charaktere in Vanderbekes Roman vor sich hin, in diesem Fall als Aussteiger einer quasi „Back to the Roots“-Bewegung, wo einfach alles selbst gemacht wird. Oder wie wir halt, die irgendwo in dieser Gesellschaft nach einem Platz suchen, an dem man integer existieren kann und trotzdem ein Auskommen hat.

In der Wahlperiode jedoch müssen sich alle auf einmal plötzlich interessieren, da werden die Probleme der Welt aufgezählt ohne sie zu verstehen, eine Lösung dafür zu haben oder auch nur ansatzweise den Punkt zu treffen. Die stetige Überraschung von diesen Problemen, so als ob sie nicht absehbar gewesen wären, ist wohl das unglaublichste Phänomen dabei.

Adam sagt, das fing in den Achtzigern an, die Verdummung, Ende der Siebziger haben wir all das gewusst, was inzwischen läuft, das ganze Elendsprogramm; tote Erde, wohltätige Speisung der Armen, an den Tropf mit den Alten und Armen, und heute tut die Welt, als wäre sie überrascht, gerade so, als hätte man Ende der Siebziger nicht gewusst, dass es den Bach runtergehen würde.

(Birgit Vanderbeke, Das lässt sich ändern. München: Piper, 2011. Kindle Edition. S.9)

Nun bin ich gar nicht so pessimistisch, dass immer alles gleich den Bach runtergeht, denn irgendwie geht es bestimmt weiter, auch wenn wir uns vielleicht noch nicht vorstellen können, wie das dann aussieht. Geschweige denn, was im Nachhinein eine glückliche Fügung war und was eine Katastrophe:

Je länger ich darüber nachdenke, umso mehr will mir scheinen, dass Rettung und Verhängnis nicht so weit auseinanderliegen, wie man meint, im Gegenteil, sie sind sich so nah, dass man vielleicht nicht unterscheiden muss, ob etwas eine Rettung oder ein Verhängnis ist.

 (Birgit Vanderbeke, Das lässt sich ändern. München: Piper, 2011. Kindle Edition. 126)

Im Moment ist das System ja vor allem im Selbsterhaltungsmodus und das wird sich auch so schnell nicht ändern. Die Wahlstrategie der meisten Parteien scheint jedenfalls zu sein, den Einzelnen so zu verunsichern, dass er oder sie vor lauter Verzweiflung dann die Partei wählt, die es zumindest schaffen wird, den Status Quo zu halten.

Mich erinnert das an die Bro-Culture Taktik, wie man eine Frau aufreißen kann: erst mal ordentlich niedermachen, ihr das Gefühl gegen, dass sie sowieso nichts wert sei – und sich dann herablassen mit ihr heim zu gehen. Ich höre, dass so etwas funktioniert, aber ich kenne weder Mann noch Frau, der oder die mir eine direkte Bestätigung geliefert hat.

Jedenfalls entsteht ein Teufelskreis der Verunsicherung, der Verunsicherte verunsichert jemand anderen, der behauptet sich in Notwehr und verunsichert jemand anderen und so weiter und so fort. Behauptet werden dann gerne Weltverschwörungen oder Schuldzuweisungen an bestimmte Gruppen, vollkommen ignorierend, dass heutzutage kaum mehr eine Gruppe irgendeine gemeinsame Agenda hat und ganz bestimmt nicht eine, die nicht von einzelnen mit ihrer persönlichen Agenda gleich wieder unterwandert wird. Zu den Verschwörungstheorien habe ich Them des wunderbaren Jon Ronson gelesen und ein Mitglied der Bilderberg Gruppe (ein Liebling der Weltverschwörungstheoretiker) bringt es auf den Punkt:

‚Let’s face it,‘ my deep throat had said to me, ’nobody rules the world any more. The markets rule the world. Maybe that’s why your conspiracy theorists make up all those crazy things. Because the truth is so much more frightening. Nobody rules the world. Nobody controls anything.

 (Jon Ronson. Them. Adventures with Extremists. London: Picador, 2001Pos 4235)

Der Markt, der mittlerweile auch unser Privatleben beherrscht, ist ein schwankendes, wankelmütiges, unberechenbares Ding, wie uns der Börsenbericht und die Topmeldungen jeden Tag beweisen – da muss einem jeden ja Angst und Bange werden. Mit dem gemein sein, und mit Schuldzuweisungen, da sind die ganz Verunsicherten dann aber gleich dabei und das Internet ist dabei keine Hilfe. Der fiktionale Will McAvoy aus der Fernsehserie Newsroom tweetete neulich so schön treffend:

The internet was the great equalizer. It gave everyone a voice. And what we learned is that we are mean, we are bitchy and we like nothing.

(Twitter, @WillMcAvoy. 23.07.2013)

Und auch in Das lässt sich ändern lässt sich dazu etwas finden:

Die Leute sind komisch, sagte sie dann, lassen keinen rein und hassen alle, die draußen sind. So viel Hass.

(Vanderbeke. S.115)

Vielleicht sollte man also einfach die Partei wählen, die am wenigsten Hass verbreitet, das wäre doch mal eine Ansage. Im Wahl-O-Mat habe ich dazu jetzt nichts gefunden… So bleibt mir im Endeffekt also nur eins übrig und die Aufgabe will nicht verdrängt werden:

Heute niemanden aus eigner Verunsicherung zu verunsichern und sowieso niemanden zu hassen.

Kay

Grübeln

Schlagwörter

, , , , , ,

Leider kann ich der Arbeit im Moment auch wenig Positives abgewinnen. Tatsächlich kann ich einige meiner Probleme im Arbeitsalltag nur dann lösen, wenn ich mich bessere. Meine bipolare Arbeitsweise kann ich auf die Dauer jedenfalls nicht aufrechterhalten. Mein Jahresmotto „das Jahr der Struktur“ erweist sich bisher als große aber notwendige Herausforderung. In diesem Jahr der Struktur versuche ich allerdings auch mein Denken ein wenig neu zu strukturieren, und das gelingt mir besser. Wir haben ja mittlerweile beide das „Eyes on the Road“-Prinzip ganz gut verinnerlicht und im Alltag gibt es nichts Besseres. Trotzdem frage ich mich in letzter Zeit wieder besonders oft, warum ich zu einer Person geworden bin, die soviel nachgrübeln und wissen muss. Sogar der gefrorene Rabbi bedauert mich:

Jeder, der sucht ständig Dinge, woß sie sind zu schwer für ihn oder vor ihm müssen verborgen sein, is besser, dass er nicht geboren wird.

(Steve Stern, Der gefrorene Rabbi. München: Karl Blessing Verlag, 2011. Kindle Edition. S. 73.)

Doch kann ich mich nicht zurückhalten und lese nun Wir Kinder der Kriegskinder, eine Lektüre, die mich besonders wegen der Verortungsthematik von uns beiden Flüchtlingsenkeln interessiert hat. Bei Arno Geiger hatte ich dazu noch eine sehr schöne Stelle entdeckt:

‚Du bist einer, der viele Dinge gemocht und viele Dinge ums Verrecken nicht gemocht hat‘ {sagt der Vater zu Arno}. ‚Manche Dinge habe ich gerne gemocht‘, sagte ich. ‚Abenteuer hast du immer gerne gemocht. Ich nicht.‘ ‚Was hast du gerne gemocht?‘ ‚Heimgehen.‘

(Arno Geiger. Der alte König in seinem Exil. München: Carl Hanser Verlag. Hanser e-Book, 2011. Kindle Edition. S. 184.)

Als wir bei der Vorbereitung der Bahnhofslieder über die Dinge gesprochen haben, die wir mit dem Zug assoziieren, kam von meinem Gegenüber sofort Abenteuer. Ich selbst hatte aber gleich an Heimkehr gedacht. Das Thema Verortung beschäftigt uns ja schon seit langem, aber jetzt musste ich doch einmal genauer hinsehen. Und siehe da, gleich am Anfang von Ustorfs Buches schreibt sie:

Wir sind eine Generation, deren Lebensgefühl geprägt ist von emotionalen Erfahrungen, die gut 60 Jahre zurückreichen: die Heimatlosigkeit, das Gefühl, sich nirgends verwurzeln zu können, die eingeimpfte Existenzangst, Bindungsschwierigkeiten, Identitätsverwirrungen und vor allem das Gefühl, bei den Eltern etwas wieder gutmachen zu müssen … all das sind oft Folgen der elterlichen Kriegs-, Flucht- und Vertreibungserfahrung.

(Anne-Ev Ustorf, Wir Kinder der Kriegskinder. Freiburg: Herder spektrum, 2010. Kindle Edition. Loc. 83-98.)

Ich werde noch sehen, ob mir das in irgendeiner Art tatsächlich neue Perspektiven eröffnet. Denn wie Tina Dico in „The Road“ singt, es gibt Dinge die man nicht ändern und Niederlagen, die man nicht leugnen kann – und man verschwendet seine Zeit, sein Leben und seine Liebe, wenn man es versucht. Also, was bringt es über das alles nachzudenken? Soll ich mich wirklich weiter mit einer so weit zurückliegenden Vergangenheit beschäftigen, wenn es die Gegenwart doch nicht ändert?

Den Büchern sei dank habe ich auch hierzu die passende Antwort gefunden, in Extremely Loud and Incredibly Close, wo der junge Protagonist während seiner Recherchen erkennt:

I did not consider that the past might have a need for me.

(Jonathan Safran Foer. Extremely Loud and Incredibly Close. London: Penguin Books, 2006. Kindle Edition. S. 78.)

Ich mag diesen Gedanken, dass man die Vergangenheit nicht nur beforscht, um selbst etwas daraus zu lernen, sondern dass man quasi auch als Privatperson in diesem Moment ein Historiker wird.

Kay

Optimierungswahn und Schaffensdrang

Schlagwörter

, , , ,

Ha. Vielleicht eine gute Strategie, sich bei der nächsten Standpauke oder Unverschämtheit vonseiten des Vorgesetzten Ronsons Essay in Erinnerung zu rufen und sich zu vergegenwärtigen, dass man es höchstwahrscheinlich gerade mit einem Psychopathen zu tun hat und das, was er sagt, deswegen nicht allzu ernst und persönlich nehmen sollte.

Arbeit – mein Lieblingsthema gerade, genauso wie das der Presse: Es vergeht keine Woche ohne dass irgendein Nachrichtenmagazin, eine Tages- oder Wochenzeitung, eine Talkrunde oder ein Fernsehbeitrag die Bedingungen, unter denen heutzutage gearbeitet wird, thematisiert und kritisiert. Schön und gut, aber ändern tut sich trotzdem nichts. Irgendwie scheint sich keiner dafür verantwortlich zu fühlen – selbst die Verantwortlichen in den Unternehmen tun so, als wären wir alle einem mysteriösen System von Sachzwängen ausgeliefert, das sich total verselbstständigt hat und uns nun knechtet bis in alle Ewigkeit. Optimierung, Gewinnmaximierung, Wachstum heißt nach wie vor die Devise und die Todesspirale dreht sich munter weiter.

Sogar ich als kritischer Mensch ertappe mich immer öfter dabei, in schlechten Zeiten automatisch anzufangen an mir selbst herumzuoptimieren, noch sorgfältiger, noch schneller und noch kreativer zu sein. Mich selbst infrage zu stellen, wenn irgendwelche Arbeitsabläufe nicht klappen, und nicht das System, das eben auf Profitmaximierung ausgerichtet ist und sich um die Befindlichkeiten derjenigen, die dafür zuständig sind, nicht kümmert. Ein schiefer Blick vom Vorgesetzten genügt und die Interpretationsmaschine in meinem Kopf springt an.

Sich als kleines Rädchen in der Maschine von diesem übermächtigen System abzugrenzen, bei sich zu bleiben und jeden Tag mit geradem Rücken und einigermaßen gesund den Arbeitsplatz zu verlassen, wird immer schwieriger. Zumal sich jeder von uns ja ein gutes Stück weit über die eigene Arbeit definiert und ihm das, was er macht, am Herzen liegt und er es gut machen will. Es ist also nicht die Arbeit an sich, sondern die Umstände, unter denen man sie verrichten muss, die einem die Kraft, die Motivation und manchmal auch die Würde rauben.

Das beschäftigt auch Konstantin Lewin, einen der Protagonisten aus Leo Tolstois Monumentalwerk Anna Karenina. Lewin hat ein landwirtschaftliches Gut und macht sich eine Menge Gedanken über die Wirtschaftlichkeit desselben, aber auch über das Wohlergehen und die Zufriedenheit seiner Landarbeiter und Bauern, über Selbstverwaltung und Menschenrechte sogar, was wahrscheinlich ziemlich untypisch ist für einen Mann seines Standes in der zweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts.

Um das Leben seiner Bauern zu studieren und ihren Arbeitsalltag kennen zu lernen, geht Lewin mit ihnen aufs Feld und hilft selbst bei der Heuernte mit. Nach einem glücklichen Tag im harmonischen Gleichklang der gemeinsamen Arbeit hat er eine regelrechte Epiphanie:

{…} er hatte jetzt klar erkannt {…}, daß die Wirtschaft, die er führte, nichts als ein heftiger und hartnäckiger Kampf zwischen ihm und seinen Landarbeitern war, in welchem er sich in seinem unablässigen Bemühen, alles möglichst mustergültig zu verändern und durchzuführen, allein auf der einen Seite befand, während ihm auf der anderen in Gestalt der Bauern die natürliche Ordnung der Dinge entgegenstand. {…} Er kämpfte um jeden Groschen, der ihm gehörte, während seine Bauern nur möglichst ruhig und angenehm zu arbeiten begehrten, das heißt so, wie sie es von alters her gewohnt waren. In seinem Interesse lag es, dass jeder Bauer so viel wie nur irgend möglich leistete, sich niemals gehen ließ {…} und jede Arbeit überlegt ausführte; der Bauer dagegen wollte möglichst angenehm und mit vielen Erholungspausen, vor allem aber sorglos, unbekümmert und ohne nachzudenken arbeiten. {…} Die Wirtschaft, so wie er sie geführt hatte, war ihm jetzt nicht nur uninteressant, sondern sogar widerwärtig geworden.

(Leo Tolstoi. Anna Karenina. Band 1. Zürich: Manesse, 2003.)

Lewin erkennt, dass seine Leute gerne arbeiten, solange sie es unter ihren eigenen Bedingungen tun können. Und, dass die Zufriedenheit seiner Arbeiter das A und O ist, weil sich dadurch mehr erwirtschaften lässt als durch die ständige Optimierung der Produktionsmittel und Arbeitsabläufe. Es bleibt zu hoffen, dass die Gutsherren der Gegenwart dies auch noch einsehen.

Arbeit und Schaffensdrang sind eine psychologische Notwendigkeit, so zeigt das Beispiel mit Lewins Landarbeitern. Und es ist eine zentrale These des Anarchismus. Und ich habe mich sehr darüber amüsiert, dass Tolstoi, das alte Schlitzohr, es tatsächlich schafft, dem Leser diese in einem Roman unterzujubeln, der vorgeblich von einer Amour Fou mit tragischem Ausgang handelt. Das nenne ich Subversion.

 

Kat

 

Reality Check

Oi weh. Eine öffentliche Sexismus-Debatte. Und ich habe gerade soviel mit meinem Leben zu tun, dass ich den hysterischen Unsinn auf beiden Seiten nicht verfolgen kann. Deswegen zunächst zu unserem nächsten Titel im Kanon: Cervantes‘ Don Quichote.

Tja, den hatte ich begonnen, aber dann sind mir ein paar phantastische Titel dazwischen gekommen, die mal wieder sehr gut reflektieren, wie es mir im Moment gerade so ergeht. Am spannendsten darunter der journalistische Essay in Romanlänge The Psychopath Test: seit ich dieses Buch gelesen habe und nun weiß, dass mindestens 1% der Bevölkerung Psychopathen sind, versuche ich viel weniger die einzelnen Motive von mir sonst fremden Personen zu verstehen, sondern denke mir einfach „Bestimmt ein Psychopath!“.

Ronsons Buch hat mir überhaupt einige Erklärungsansätze gegeben, für die Welt an sich und für meine im Besonderen. Er erklärt zum Beispiel in einem Kapitel über Reality TV, dass von den Produzenten immer jene Kandidaten ausgewählt werden, die „the right kind of mad“ (Jon Ronson, The Psychopath Test. A Journey through the Madness Industry. London: Picador, 2011. Kindle Edition. S. 221) sind, also nicht normal und langweilig, aber auch nicht gefährlich wahnsinnig. Als großer Anhänger von American Idol und ähnlichen Singshows kann ich das nur bestätigen. Mich persönlich nervt dieser Castingedit oft und meistens überspringe ich die Einspieler über die persönlichen Tragödien der Kandidaten (immer wieder gerne: Großeltern krank/tot, irgendjemand hat Krebs, eigener Unfall) und den Zickenterror, der sich mit Sicherheit so nicht ereignet hat. Mittlerweile habe ich dank meines Lieblingsvideoblogs zu diesem Thema, Idoloonies, festgestellt, dass ich nicht die einzige bin, die gerne mehr Gesang hören würde – aber irgendetwas muss es den Zuschauern doch bringen, diesen schrägen Geschichten und Menschen zuzusehen. Ronson sagt dazu:

We weren’t only in the business of madness, we were also in the business of conformity.

(Ronson. The Psychopath Test. S. 222)

Mir wurde jedenfalls bei meinem eigenen Castingversuch letzten Sommer sehr schnell klar, dass ich dort weder die richtige Form von verrückt, also auffallend war, noch konform. Definitiv gehöre ich nicht in diese Welt, auch wenn ich trotzdem ein bisschen enttäuscht war – da kann man noch so gut verstehen, wie alles funktioniert, man will trotzdem manchmal einfach hören, dass man schön singen kann. Und dass man mir mit dem Satz „Für Dich hat es heute leider nicht gereicht“ mein Ausscheiden mitteilte, empfand ich als klare Respektlosigkeit gegenüber meiner Intelligenz und meiner Musikalität. Ein „Du hast da beim A Capella-Singen die Tonart gewechselt“ oder „Du bist einfach zu groß“ wäre mir definitiv lieber gewesen. Ein Realitätscheck war hier nicht zu haben.

Was ich mitnehmen kann ist jedenfalls, dass eine Gesangskarriere keine Alternative zu meinem jetzigen Berufsleben sein wird. Dagegen hat mir Ronsons Buch hier durchaus bei einem kleinen Realitätscheck geholfen, nämlich mit der Erkenntnis, dass sich wohl verhältnismäßig viele Psychopathen in höheren Positionen in Wirtschaft und Politik befinden. Als guter Journalist lässt er das als Vermutung und nicht als Behauptung stehen, da es kaum zu beweisen ist. Für mich erklärt es aber gut, warum immer mehr Menschen in meinem direkten Umfeld am Rad drehen – das Wirtschaftssystem wird definitiv immer empathieloser und genau das definiert den Psychopathen:

Psychologist say there was a preponderance of psychopaths at the top, in the corporate and political worlds – a clinical absence of empathy being a benefit in those environments.

(Ronson. The Psychopath Test. S. 11)

Und später:

Serial killers ruin families.“ said Bob. „Corporate and political psychopaths ruin economies. They ruin societies.

(Ronson. The Psychopath Test. S. 117)

Bob meint das hier wirtschaftlich und politisch. Aber ich würde sagen: Wenn wir in einem psychopathischem Wirtschaftssystem leben, ist es kein Wunder, dass wir langsam wahnsinnig werden.

Die Erklärung, dass einige wenige Psychopathen daran schuld wären, ist mir, und auch Jon Ronson, zu einfach. Das wäre wieder ein Argument bei dem man „der Gesellschaft“ die Schuld gibt, ohne zu realisieren, dass man selber ein Teil davon ist. Dazu hat Jennifer Eagan in ihrem klug verschlungenem Kurzgeschichtenzyklus A Visit from the Goon Squad eine Frau beschrieben, die eben auch durch mangelnde Empathie und mangelnde geistige Anstrengung das Leben als gegeben annimmt:

{She was} one of these people who used the unforgivable phrase „meant to be“ – usually when describing her own good fortune or the disasters that had befallen other people.

(Jennifer Eagen, A Visit from the Goon Squad. Kindle Edition. S. 121)

Das Hauptproblem scheint mir persönlich doch zu sein, dass komplexes Denken und Aufmerksamkeit unheimlich anstrengend sind. Deshalb ist der Konformität und dem Schubladendenken kaum Herr zu werden:

There’s a societal push for conformity in all way“, he said, „there’s less tolerance of difference. And so maybe for some people having a label is better. It can confer a sense of hope and direction.

(Ronson. The Psychopath Test. S. 258)

Meines Erachtens ist deshalb auch die Sexismusdebatte so wenig zielführend – es ist schwer, sich von klaren Kategorien und Einteilungen zu lösen. Aber das ist ein anderer Eintrag.

Kay

Gendering

Schlagwörter

, , , , , , , , , , ,

Seit die Sonne wieder so unerbittlich auf mich herabbrennt, und die Welt von Paaren besiedelt zu sein scheint, die nichts besseres zu tun haben, als sich öffentlich ihre Zuneigung zu zeigen, fällt mir beim Lesen wieder besonders auf, wie tief Genderstereotypen und Erwartungshaltungen an das eigene und andere Geschlecht verankert sind.

Ein gutes Beispiel dafür ist Mitchell, der in The Marriage Plot eine Diskussion beendet, in dem er – der zugegebenermaßen im lesbischen 80er Jahre Feminismus verfangenen – Claire entgegnet:

You’re not having your period right now, are you?

Jeffrey Eugenides. The Marriage Plot. New York: FSG, 2011. S. 139.

Das zeigt gut ein Dilemma, in dem sich Frauen oft befinden: jemand (üblicherweise ein Mann) unterstellt ihnen durch so eine Bemerkung emotional und irrational zu sein. Welche Möglichkeiten hat man nun darauf zu reagieren? Wenn man wütend oder verletzt reagiert, bestätigt man den „Vorwurf“ der Emotionalität. Wenn man darüber hinweggeht, kommt der andere davon, und wird dieses unmögliche Verhalten fortsetzen. Wenn man dem anderen rational auseinandersetzt, was an diesem Diskussionsverhalten unfair ist, befindet man sich sofort in einer Genderdiskussion, und die ist meist schrecklich anstrengend. Vor nicht allzu langer Zeit war ich in einer ganz ähnlichen Situation, und genau wie Mitchell hat mein Gegenüber erwidert, es sei doch nur ein Witz gewesen, und ich solle mehr Humor haben. So geht es leider oft aus, man steht am Ende als Zicke da, obwohl doch der andere damit begonnen hat, die gepflegte Konversation zu verlassen.

Leider hilft es auch so gar nicht, wenn man dem anderen tatsächlich den eigenen Standpunkt auseinandersetzen kann, und ihn vielleicht sogar überzeugt. Denn wie P.D. James in ihrer Krimifortsetzung von Stolz und Vorurteil feststellt:

Miss Bennet’s beauty, gentleness and naive optimism about human nature which inclined her never to speak ill of anybody made her a general favourite.

P.D. James. Death Comes to Pemberley. London: Faber and Faber, 2011. S. 4.

Natürlich spielt der Roman im 19. Jahrhundert, aber oft werde ich das Gefühl nicht los, es wäre besser, ein bisschen weniger klug und vor allem nachgiebiger mit der Welt zu sein. In The Great Gatsby sagt die weibliche Hauptfigur, Daisy, über ihre Tochter.

I hope she’ll be a fool – that’s the best thing a girl can be in this world, a beautiful little fool.

F. Scott Fitzgerald. The Great Gatsby. London: Penguin, 1994. S. 24.

Meine Studenten überlesen das gerne, aber ich halte es für ungemein wichtig, um Daisys Handlungsweise im Roman zu verstehen – wenn man, so wie sie, hauptsächlich als Projektionsfläche dient, muss eine Frau manipulativ vorgehen, da sie ja keine Basis von Realität und Echtheit hat, auf der sie handeln kann. Das soll natürlich nicht heißen, dass es nur Frauen so geht. Eine interessante Passage ist dazu in The Marriage Plot:

Madeleine didn’t like nervous guys. Nervous guys were nervous for a reason. Up until now Leonard had seemed more the tortured type than the nervous type. Tortured was better.

Eugenides, S. 56.

Männer müssen sich also genauso mit Projektion und Rollenbildern auseinandersetzen. Dieses ständige Verhandeln von Gender Performance und das Zurechtfinden in der heterosexuellen Matrix empfinde ich mittlerweile als ungemein anstrengend. Angesichts der Tatsache, dass es über 7 Milliarden Menschen auf der Welt gibt, sollte doch jedem augenscheinlich sein, dass eine Einteilung in nur zwei Gruppen niemals zu einem befriedigendem Ergebnis führen kann. Selbst wenn die Einteilung differenzierter ist, als Mann und Frau, scheint sie mir doch oft dialektisch – entweder man ist das eine, oder das andere.

Margaret used to say there were two sorts of women: those with clear edges to them, and those who implied mystery.

Julian Barnes. The Sense of an Ending. London: Random House, 2011. S. 66.

Ich kann beim besten Willen nicht einsehen, warum ich nicht beides gleichzeitig sein kann: eine Frau mit klaren Ecken und Kanten, die höchst mysteriös ist. Menschen sind nun mal komplex, auch wenn das vielen zu kompliziert scheint. Und vielleicht würden sich die beiden Geschlechter besser zurecht finden, und das andere als weniger unverständlich empfinden, wenn sie Menschen als  Individuen wahrnehmen würden, die auch einander entgegengesetzte Gefühle gleichzeitig haben können. Ich jedenfalls habe mich entschieden: heute verhalte ich mich offensichtlich, und bin dabei bestimmt höchst geheimnisvoll.

Kay

Erwachsenwerden in The Marriage Plot (Spoilers!)

Schlagwörter

, , ,

Huch, das war ja wohl ein Missgeschick. Nachdem wir uns über die Figur der Madeleine Hanna so gar nicht einigen konnten, fand ich Deine Idee, in das Buch zu Reisen natürlich großartig. Und was passiert? Über Monate hängt man in diesem Roman ab, und in der Realität vergeht die Zeit und keiner weiß wo wir geblieben sind.

[Zum Thema Reisen in Büchern ist genaueres in der Thursday Next-Serie von Jasper Fjorde nachzulesen. Nur kurz sei hier angemerkt, dass es besonders schwierig ist, die Handlung nicht zu stören. Und leider glaube ich, dass man mich auf der Seite 377 BH-los (diese 80er) lesen kann, weil ich nicht schnell genug von der Seite verschwunden bin.]

Wie dem auch sei, ich für mich habe nach all den Recherchen eine Lesart gefunden, die Dir Recht gibt, mich aber immer noch mit Madeleine sehr nachsichtig sein lässt. Denn ich glaube, dass der Titel The Mariagge Plot und der ganze Bezug am Anfang des Romans auf die literarische Tradition des Novel of Manners höchst irreführend ist, und dass das Hauptgewicht auf den Coming of Age Stories von Madeleine, Mitchell und Leonard liegt. Immerhin sind alle erst Anfang zwanzig, das amerikanische College entlässt keine Erwachsenen, und außerdem sind die 80er auch eine Zeit der neuen Theorien und Perspektiven, ob nun Feministische Literaturtheorie oder Dekonstruktivismus.

Ja, Madeleine ist jung, und dumm, und unwissend, und natürlich wahnsinnig hübsch. Am Anfang des Romans hat sie, wie Du bereits festgestellt hast, keine Ahnung, was es heißt, psychisch erkrankt zu sein:

Listening to Leonard, Madeleine felt impoverished by her happy childhood. She never wondered why she acted the way she did, or what effect her parents had had on her personality. Being fortunate had dulled her powers of observation.

Jeffrey Eugenides. The Marriage Plot. New York: FSG, 2011. S. 62.

Nun scheint es mir jedoch unfair, ihr diesen naiven Blick auf die Situation vorzuwerfen, denn genau das ist es ja, was sie sagt: dadurch, dass sie praktisch mit Emily Gilmore als Mutter aufgewachsen ist, fehlt ihr tatsächlich die Fähigkeit die Tragweite von Leonards Erfahrungen zu verstehen. Und sie muss einiges durchmachen, und viel Lehrgeld zahlen, bis sie am Ende erkennt:

What was it about crazy people that made you want to shun them? The futility of reasoning with them, certainly, but also something else, something like a fear of contagion.

Eugenides, S. 361.

Obwohl sie in dieser Szene bereits den Drang hat zu fliehen, bleibt sie an Leonards Seite, denn sie hat die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass Leonard gesund wird. Eine Illusion, die ihre höchst schwierige, weil nicht klar angreifbare Mutter nicht hat.

Phyllidas Motive sind für mich klar – sie will beschützen, was sie erreicht hat; und ihre Töchter haben den privilegierten Start, den sie durch die Eltern Hanna erhalten haben, gefälligst in Erfolg zu verwandeln, damit sich Phyllida damit schmücken kann – wie es unter der Facade aussieht, ist dabei egal. Dennoch erkennt sie eines:

Manic depression is a CHRONIC condition.

Eugenides, S. 341.

Ich glaube, der Moment in dem man erkennt, dass eine Krankheit nicht heilt, sondern einen selbst oder den Partner das ganze Leben begleiten wird, ist in Worten gar nicht zu beschreiben. Wie viele Texte oder Filme gibt es schon, in denen eine Figur nicht entweder stirbt oder geheilt wird, sondern die Krankheit managt, wie das mittlerweile so schön heißt.

Madleine braucht lange, um dieses Urteil auf lebenslang zu sehen. Im Gegensatz zu Mitchell hat sie bereits bewiesen, dass sie dem Alltag und der Pflege gewachsen wäre – aber die moralisch unlösbare Frage ist, ob sie das will, und wenn nein, ob sie einen kranken Menschen verlassen darf.

Madeleine stared out at the Broadway traffic, trying to stave off a rising feeling of hopelessness. She didn’t know how to cheer Leonard up anymore. {…} She worried that Leonard would never be happy again, that he had lost the ability. {…} Even worse, Madeleine knew that Leonard understood this. His suffering was sharpened by the knowledge that he was inflicting on her. But he was unable to stop it.

Eugenies,  S. 375.

Leonard stoppt das ganze dann ja doch, und schließt damit wohl seine Coming of Age-Story ab: ein Weg aus der Depression ist definitiv Agency. Und das letzte, das man von ihm hört, scheint darauf zu deuten, dass er, als nur sich selbst verantwortlich, auf der Suche nach einer Welt ist, in der er vielleicht nicht ver-rückt ist. Madeleine hingegen bleibt eine klare Agency bis zum letzten Wort verwehrt – erst in ihrer Antwort auf Mitchells Frage liegt die Hoffnung, dass ihr ein eigener Weg bevorsteht. [Da das Buch hier endet, war auch in der Backstory nichts weiteres herauszufinden. Die Figuren hören an dieser Stelle auf.]

Mitchell ist in seiner Entwicklung anfangs auch nicht viel weiter, er verbringt die meiste Zeit damit alle Wünsche in Madeleine Hanna, die Frau mit zwei Vornamen, zu projizieren, und scheint ihr gegenüber zwar unterwürfig, aber in seinem Kopf ist er zunächst recht arrogant:

Mitchell was prepared, considering Madeleine’s other attributes to overlook these details.

Eugenides, S. 72.

Und eigentlich sollte er es besser wissen, denn er erkennt schon bald, dass, was Du auch an Madeleine kritisierst:

In Madeleine’s face was stupidity. {…} It was the stupidity of fortunate and beautiful, of everybody who got what they wanted in life and so remained unremarkable.

Eugenides, S. 77.

Aber er bleibt vernarrt in sie, und macht sich auf seine lange Reise, auf der er sich zunächst vormacht, dass er ein Welterkunder ist, ein Gelehrter, und Samariter. Eine Illusion nach der anderen wird dekonstruiert, das Reisen wird so umständlich und abenteuerlich (oder eben nicht) dargestellt, wie es ist; als Samariter verlangt Mitchell zu viel von sich – ich persönlich finde es nicht so schlimm, dass er nicht alle Tätigkeiten in dem Hospiz vornehmen kann. Die Tatsache, dass Mitchell gute Taten überhaupt miteinander vergleicht, zeigt seine beschränkte Perspektive: alles muss ein Wettbewerb sein; man macht Dinge ganz oder gar nicht; es gibt nur schwarz und weiß.

Seine Coming of Age-Story wird am klarsten abgeschlossen, mit einem Zwischenschritt des traditionellen Haare abschneidens, stellt er am Ende fest, was alles NICHT passieren wird, und das ist mehr, als viele für sich erkennen:

The voice also told Mitchell that, in addition to never living with Madeleine, he would never go to divinity school either. It was unclear what he was going to do with his life, but he wasn’t going to be a monk, or a minister, or even a scholar.

Eugenides, S. 405.

Beruhigend ist bei allen Phasen, Erkenntnissen und Perspektivenwechseln, dass es zu jeder Lebenslage eines geben wird: ein Buch.

What made Madeleine sit up in bed was something closer to the reason she read books in the first place and had always loved them. Here was the sign that she wasn’t alone.

Eugenides, S. 49.

Kay

 

Verwöhnte Bequemlichkeit?

Schlagwörter

, ,

Vor einer Woche schon habe ich meine Lektüre an The Marriage Plot von Jeffrey Eugenides beendet, und zwar zutiefst befriedigt, und es doch immer vor mir hergeschoben, darüber zu schreiben. Das liegt wohl daran, dass dieses großartig komponierte Buch so viele verschiedene Ebenen zu bieten hat, und man daraus nicht nur ein sondern mindestens zehn Doktorarbeitsthemen ableiten könnte. Es fällt mir noch immer schwer, mich auf einen Aspekt zu beschränken, habe mich nun aber entschieden, das anzusprechen, was mich an diesem Buch am meisten aufgewühlt hat. Nämlich: Madeleine, die weibliche Hauptfigur.

Noch nie hat mich eine literarische Figur so aggressiv gemacht. Normalerweise habe ich zum Personal der Bücher, die ich lese, ein sehr professionelles Verhältnis. Ich betrachte sie mit neugierigem, aber distanziertem Blick, die Literaturwissenschaftlerin in mir wahrt immer  einen gewissen Abstand. Nicht bei Madeleine. Und hätte ich nach meiner Middlesex-Lektüre im Jahr 2005 nicht sehnsüchtig auf den neuen Eugenides gewartet, hätte ich dieses Buch wegen Madeleine ganz schnell wieder zur Seite gelegt.

Madeleine had never been close to anyone with a varifiable mental illness. She instinctively avoided unstable people. As uncharitable as this attitude was, it was part and parcel of being a Hanna, of being a positive, privileged, sheltered, exemplary person. If there was one thing Madeleine Hanna was not, it was mentally unstable.

(Jeffrey Eugenides: The Marriage Plot. New York: Farrar, Straus, Giroux, 2011, S. 122.)

Diese Zeilen bringen den Snobismus – aber auch die Lebensangst, die Angst vor Kontrollverlust – dieser aus einer typisch amerikanischen WASP-Familie stammenden Madeleine, die mit altem Geld und in einer absolut geborgenen und impulskontrollierten Umgebung aufgewachsen ist, auf den Punkt. Allein dass zum WASP-Konzept auch das Festhalten an tradierten Rollenmodellen gehört, muss sie als gebildete Frau natürlich stören und begründet offensichtlich ihr Interesse an feministischer Theorie – die zum Gegenstand ihrer literaturwissenschaftlichen Forschung wird. Sie verachtet insgeheim den Lebensentwurf ihrer Mutter, die als gute Ehefrau zu den Eskapaden ihres Mannes schweigt und deren Collegeabschluss allein dazu dient, in Gesellschaft eine inspirierende Gesprächspartnerin abzugeben. In dieser leisen Verachtung besteht das ganze revolutionäre Potenzial von Madeleine Hanna. Und sie merkt noch nicht einmal, dass sie gegen diesen Lebensentwurf aufbegehrt, da sie nach wie vor in brenzligen Situationen Rat bei ihrer Mutter sucht. Sie ist zu schwach, um die Abnabelung tatsächlich zu vollziehen.

Obwohl oben zitierten Zeilen natürlich eine gewisse Ironie innewohnt und der Erzähler auch nicht ganz unparteiisch zu sein scheint, bleibt er doch gnädig mit Madeleine. Trotz all der Dinge, die ihr im Laufe des Romans passieren, gerät sie nie in eine wirkliche Krise. Denn die Eltern springen immer in die Bresche – emotional, organisatorisch, finanziell. Das hat die Konsequenz, dass Madeleine sich auch nicht entwickeln muss. Und trotzdem überall durchkommt.

Und ich glaube, deswegen reagiere ich so emotional auf sie. Ich hatte in letzter Zeit oft mit Frauen wie Madeleine zu tun – Frauen, die den Lebensentwurf ihrer Eltern eigentlich immer verachtet haben und doch finanziell davon profitieren. Frauen, die immer selbstgefällig ihre emotionale Gesundheit in Abgrenzung zu den „troubled souls“ in ihrer Umgebung und ihren ach so rationalen Blick auf die Welt vor sich hertragen, schlussendlich aber auch keine wirklichen Krisen aushalten mussten, weil sie immer den leichteren Weg gewählt haben, zu schwach, um den schwierigeren zu gehen. Und denen trotzdem alles ausgeht.

Dass die Hürden, die man im Leben nehmen muss, schließlich die Persönlichkeit formen, weiß Madeleine auch:

Listening to Leonard, Madeleine felt impoverished by her happy childhood. She never wondered why she acted the way she did, or what effect her parents had had on her personality. Being fortunate had dulled her powers of observation. Whereas Leonard noticed every little thing.

(Jeffrey Eugenides: The Marriage Plot. New York: Farrar, Straus, Giroux, 2011, S. 62.)

Und doch ist es so, dass ein manisch-depressiver Mensch wie Leonard, in den sich Madeleine gerade deswegen so unsterblich verliebt, weil er die ordentliche Welt ihrer Eltern so brüskiert, über eine solche Erkenntnis nur müde lächeln könnte. Vielleicht ist eine „troubled soul“ wie Leonard tatsächlich der interessantere, einfühlsamere und sogar bessere Mensch, weil er in so viele menschliche Abgründe geschaut hat, dass ihm nichts Menschliches mehr fremd ist. Aber dafür kann er sich auch keine Brezn kaufen, wie man so schön sagt.

So eine Sicht der Dinge kann also nur ein vom Leben verwöhnter Mensch wie Madeleine Hanna haben. Für jemanden, der schon einmal eine Depression erlebt hat, klingt sie wie der blanke Hohn.

Kat

Folgen

Erhalte jeden neuen Beitrag in deinen Posteingang.